Ethische Investmentstrategien

Ethisches Investment kann auf unterschiedlichen Investmentstrategien basieren. Es wird dabei zwischen „vermeidenden“, „fördernden“ und politischen ethischen Investmentstrategien unterschieden. Zumeist werden heute die unterschiedlichen Investmentstrategien für ein nachhaltiges/ethisches Investment in Kombination angewandt.

  • Der Ansatz einer „vermeidenden“ nachhaltigen/ethischen Investmentstrategie bedeutet den Ausschluss von menschenrechtsverletzenden, inhumanen und/oder umweltschädlichen Bereichen des wirtschaftlichen und politischen Lebens. Dieser Ausschluss folgt entweder komplett (Ausschlusskriterien) oder innerhalb bestimmter Toleranzgrenzen aus dem potenziellen Anlageuniversum. Bei der Definition von Negativkriterien werden ganze Branchen, Produkte oder Produktionsprozesse bspw. von der Aufnahme in den Fonds zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, jedoch negativ bewertet. Unter dem Stichwort „Sin-Stocks“ haben bereits die Quäker im 19. Jahrhundert Investitionen in Tabak und Glücksspiel ausgeschlossen. Die Anwendung von Ausschluss bzw. Negativkriterien kann als erster Schritt in Richtung eines ethischen bzw. nachhaltigen Investments gewertet werden.
  • Beim „förderndenAnsatz einer nachhaltigen/ethischen Investmentstrategie fließt das veranlagte Geld in Projekte, Unternehmen etc., die einen besonderen ökologischen bzw. sozialen Nutzen für Umwelt und Gesellschaft bedeuten. Zu Positivkriterien zählen zum Beispiel die Bevorzugung von Ökopionieren oder Firmen mit einem überzeugenden Umweltmanagementsystem. Ein weiterer fördernder Investmentansatz ist die Best-in-Class-Strategie, die vor allem bei der Auswahl des Portfolios für einen nachhaltigen Investmentfonds zur Anwendung kommt. Dabei wird zunächst keine Branche, kein Unternehmen oder Staat ausgeschlossen, sondern es werden jeweils die nachhaltigsten Investitionsmöglichkeiten innerhalb eines Bereichs gewählt. Die Idee dahinter ist die Förderung eines Wettbewerbs nach ethischen Maßstäben. Diese Strategie gilt unter ExpertInnen als besonders wirkungsvolle Maßnahme zur Förderung des nachhaltigen Investments.
  • Unter einer „politischennachhaltigen/ethischen Investmentstrategie ist der Engagementansatz zu verstehen (englisch ausgesprochen), dabei nehmen InvestorInnen mit betroffenen Unternehmen (Verwaltungsrat/Management) bzw. Staaten direkt Kontakt auf, um auf die unternehmerischen bzw. politischen Aktivitäten hinsichtlich ökologischer, sozialer und ethischer Gesichtspunkte Einfluss zu nehmen. Als Druckmittel fungieren dabei das zu veranlagende bzw. bereits investierte Kapital, als auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Die Formen des Engagements können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und reichen von Lobbyingarbeit bzw. Managementdialog, aktive Ausübung der Stimmrechte bei Aktionärsversammlungen bis zum Einbringen von Aktionärsrechten. Auf diese Weise werden die Unternehmen mit den ethischen, ökologischen und sozialen Aspekten ihres Wirtschaftens konfrontiert mit dem Ziel, sie zu verantwortungsbewusstem Verhalten zu bewegen.

Die Begrifflichkeiten ethisches bzw. nachhaltiges Investment sind zwar unterschiedlichen Ursprungs (ethisches Investment hat einen religiösen Hintergrund und ist mit einer vermeidenden Investmentstrategie verbunden; nachhaltiges Investment stammt aus der Umweltbewegung der 80iger Jahre und ist mit einem fördernden Ansatz verknüpft) werden im deutschsprachigen Raum zunehmend alle genannten Investmentstrategien parallel angewandt, sodass in weiterer Folge beide Begriffe ethisches und nachhaltiges Investment gleichbedeutend verwendet werden.       

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