Abschlussbericht der High-Level Expert Group on Sustainable Finance veröffentlicht

Nachdem die Ende 2016 von der EU-Kommission eingesetzte High-Level Expert Group on Sustainable Finance (HLEG) im Juli 2017 ihren Zwischenbericht vorgelegt und bis September des gleichen Jahres über einen Fragebogen Input aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft hierzu eingeholt hatte, liegt nun die finale Version vor. FINANCING A SUSTAINABLE EUROPEAN ECONOMY. Final Report 2018 by the High-Level Expert Group on Sustainable Finance lautet der volle Name des hundert Seiten starken Berichts.

Die acht zentralen Empfehlungen haben sich im Vergleich zum Zwischenbericht leicht in Reihenfolge und Akzentuierung geändert. Beispielsweise ist das Thema Governance and Leadership in die acht Kernempfehlungen aufgenommen worden, während der Nachhaltigkeitstest für die EU-Finanzgesetzgebung nicht mehr unter den Top Acht zu finden ist, sondern etwas abgewandelt erst in zweiter Reihe in den weiteren acht bereichsübergreifenden Empfehlungen folgt. 

Daneben formuliert der Bericht Empfehlungen für Finanzinstitutionen – hier sind nun auch die Nachhaltigkeits-Rating-Agenturen explizit berücksichtigt – sowie Sektoren und enthält abschließend vier Empfehlungen zu Themen, die Soziales und im weiteren Sinne die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit betreffen.

Klimawandel steht im Zentrum der Empfehlungen

Wie bereits im Zwischenbericht – und von CRIC in einer Kommentierung wie auch in der Antwort zum Fragenbogen der HLEG-Konsultation kritisiert – liegt der Fokus der vorgeschlagenen Maßnahmen weiterhin klar auf dem Klimawandel und in einem weiteren Schritt auf einzelnen weiteren ökologischen Aspekten, während vor allem die soziale Dimension zu kurz kommt. 

Der finale HLEG-Bericht hat bereits zu vielfachen Reaktionen geführt. So hat ein Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen aus Deutschland den HLEG-Bericht zwar grundsätzlich begrüßt, jedoch in mehreren Bereich Nachholdbedarf eingefordert. Beispielsweise wird dort kritisiert, dass ein „Brown-penalising-Factor“ für Kapitalnachfrage in risikoreiche Verwendungszwecke nicht in die zentralen Empfehlungen aufgenommen wurde, sondern lediglich weiter hinten im Bericht diskutiert werde.

Aktionsplan der EU-Kommission zu Sustainable Finance für März angekündigt

Die Europäische Kommission hat angekündigt, aufbauend auf den HLEG-Empfehlungen im März dieses Jahres einen Aktionsplan zu Sustainable Finance vorzulegen. Dieser soll klar einen Weg dorthin aufzuzeigen, Nachhaltigkeit zu einem Leitgedanken in Europas Finanzsystem werden zu lassen. Dem Aktionsplan sollen dann Vorschläge zur Gesetzgebung folgen. Das Ziel dabei solle sein, Europa zu einem Gravitationszentrum für globale Investitionen in eine kohlenstoffarme, ressourcen-effiziente und zirkulare Wirtschaft zu machen, heißt es im Vorwort des Berichts.

Am morgigen 1. Februar 2018 wird außerdem das EU-Parlament einen eigenen Forderungskatalog zum Thema Sustainable Finance vorlegen, dessen erste Entwurfsversion bereits Mitte Januar in Frankfurt diskutiert wurde (CRIC berichtete).  In Berlin wird der Bericht am 22. Februar im Rahmen einer Konferenz diskutiert. 

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