HLEG-Abschlussbericht: Inhaltliche Fortschritte seit dem Zwischenbericht aus CRIC-Sicht

Der finale HLEG-Bericht hat im Vergleich zum Zwischenbericht mit Blick auf seine Struktur, die Detailtiefe und den Inhalt deutlich an Qualität hinzugewonnen. Die Empfehlungen sind klar gegliedert, in den meisten Fällen umfassend beschrieben und teilweise sehr konkret ausgearbeitet. Zu den zentralen Forderungen, eine Nachhaltigkeitstaxonomie und einen europäischen Green Bond-Standard zu entwickeln, gibt es darüber hinaus informelle HLEG-Dokumente mit Vorarbeiten für die Umsetzung. 

Zur Weiterentwicklung der Empfehlungen hat auch der Input über die Konsultation der HLEG zum Zwischenbericht beigetragen. Zu dieser sind laut dem HLEG-Dokument zur Zusammenfassung der Konsultationsergebnisse insgesamt 274 Antworten eingereicht worden, darunter auch diejenige von CRIC.

Nach Auffassung von CRIC sind unter anderem in folgenden Bereichen Verbesserungen festzustellen:

  • Konkrete Empfehlungen zur sozialen Dimension: Während der Zwischenbericht zur sozialen Dimension unter weiter zu diskutierenden Themen nur ein paar Sätze verliert, enthält der Abschlussbericht Vorschläge für konkrete Maßnahmen. Dies ist grundsätzlich als ein Schritt hin zu einem umfassenderen Verständnis von Nachhaltigkeit zu begrüßen.
    • Jedoch: Es muss nachdenklich stimmen, dass die soziale Dimension bei den Empfehlungen auf einem der letzten Plätze rangiert und nicht – was der grundsätzlich richtige Ansatz wäre – als integraler Bestandteil dem Nachhaltigkeitsverständnis und damit allen Empfehlungen dieses Berichts zugrunde liegt.
  • Konkrete Empfehlungen zu zentralen Umweltthemen: Mit den Bereichen Naturkapital, Landwirtschaft und Meeresressourcen hat sich die HLEG auch mit Umweltfragen auseinandergesetzt, die neben dem Klimawandel zur ökologischen Dimension von Nachhaltigkeit gehören. Dies ist ebenfalls im Sinne eines umfassenden Nachhaltigkeitsansatzes als Fortschritt zu bewerten. Zudem sind Themen gewählt worden, denen tatsächlich eine große Relevanz zukommt.
    • Jedoch: Weitere ökologische Herausforderungen, etwa die fortschreitende Reduktion der globalen Waldbestände, Wasserknappheit, das Artensterben oder neu in den Fokus rückende Themen wie multiresistente Keime, verlangen ebenso nach konkreten Maßnahmen. Darüber hinaus wird übersehen, dass Umweltthemen nie isoliert, sondern immer hinsichtlich ihrer Bedeutung für das ökologische Gleichgewicht betrachtet werden müssen. Außerdem haben sie in der Regel auch Auswirkungen auf gesellschaftliche und soziale Aspekte.
  • Strategie zu privaten Anlegerinnen und Anlegern unter den acht zentralen Empfehlungen: Der Schritt, Maßnahmen zu privaten Anlegerinnen und Anlegern in die Top Eight der Empfehlungen aufzunehmen, ist begrüßenswert. Schließlich entfällt ein großer Teil des Vermögens in Europa auf die Ersparnisse der privaten Haushalte. Zudem belegt eine Vielzahl an Studien, dass ein Interesse an nachhaltigen Investments vorhanden ist. Die Priorität, welche die HLEG dieser Empfehlung eingeräumt hat, stimmt mit Blick auf deren Umsetzung optimistisch.
    • Jedoch: Die angedachte Strategie überschneidet sich mit anderen zentralen Empfehlungen der HLEG, etwa, wenn es um Siegel oder Mindeststandards geht. Hier sollte darauf geachtet werden, dass eine monothematische Verengung auf den Klimawandel oder grüne im Unterschied zu nachhaltigen oder ethischen Geldanlagen – wie es viele Passagen des Berichts nahelegen – vermieden wird.
  • Nachhaltigkeits-Rating-Agenturen finden explizit Berücksichtigung: Nachhaltigkeits-Rating-Agenturen sind nun explizit im Abschlussbericht enthalten, womit die HLEG der zentralen Rolle, die diese als Seismographen nachhaltiger Entwicklung gespielt haben und spielen, deutlich besser gerecht wird.
    • Jedoch: Im Bericht sind keine Hinweise enthalten, wie die Expertise der Nachhaltigkeits-Rating-Agenturen, aber auch anderer relevanter Akteure, etwa der Nachhaltigkeitsbanken, nun in den Prozess der Umsetzung der Empfehlungen einbezogen werden sollen. Dies wäre aber dringend anzuraten, um Einseitigkeiten, wie sie im Abschlussbericht festzustellen sind, zu vermeiden.
  • Globale Perspektive: Die HLEG bekennt sich an mehreren Stellen und ganz konkret in der neu aufgenommenen Forderung EU-Maßnahmen nutzen, um Sustainable Finance auf globaler Ebene zu verankern dazu, dieses Thema proaktiv in die Welt zu tragen und hierbei international eine starke Rolle spielen zu wollen. Dies ist – auch mit Blick auf die Europäische Union als solche wie auch sich ändernder internationaler Kräfteverhältnisse und Allianzen, beispielsweise in Sachen Klimawandel – positiv zu bewerten. Es ist wünschenswert, dass Europa das Thema Sustainable Finance in internationale Gremien trägt und zum Gegensand von Verhandlungen mit anderen Ländern macht.
    • Jedoch: Es steht zu befürchten, dass die EU sich auch hierbei zu Lasten eines umfassenden Nachhaltigkeitsverständnisses auf das – zweifellos wichtige – Thema Klimawandel fokussieren wird und andere Nachhaltigkeitsthemen ins Abseits geraten. Gerade aber mit Blick auf Länder wie China, die sich erfreulicherweise explizit dem Thema widmen, allerdings mit einem klaren und fast ausschließlich grünen Fokus, wäre eine EU, die soziale Aspekte und allen voran das Thema Menschenrechte auch mit Fragen von Investments und der Finanzwirtschaft verknüpft, nicht nur ein wichtiges Korrektiv, sondern unverzichtbar. 

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