CRIC-Kommentierung des Abschlussberichts der High-Level Expert Group on Sustainable Finance (HLEG)

Mit dem Abschlussbericht Financing a European Economy der von der EU-Kommission Ende 2016 eingesetzten High-Level Expert Group on Sustainable Finance (HLEG) liegt ein umfassender und detaillierter Plan vor, um das Finanzsystem der Europäischen Union unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten weiter zu entwickeln. Die Europäische Kommission hat angekündigt, im März 2018 einen Action Plan on Sustainable Finance zu veröffentlichen, der sich auf die im Bericht angeführten Empfehlungen beziehen wird. Damit werden weitreichende Weichenstellungen für die Zukunft einer nachhaltigen Finanzwirtschaft in Europa vorgenommen. 

CRIC begrüßt den Abschlussbericht der HLEG ausdrücklich. Im Vergleich zum Zwischenbericht sind deutliche Verbesserungen festzustellen. Jedoch werden nach wie vor auch Positionen vertreten und Empfehlungen gegeben, die aus CRIC-Sicht zu diskutieren, korrigieren und ergänzen sind. Wichtige Themen und Empfehlungen, die für eine nachhaltige Finanzwirtschaft wichtig sind, fehlen. Mit dieser Kommentierung wollen wir zentrale Ergänzungen und Diskussionspunkte in die Debatte einbringen: 

  1. Ein umfassendes Nachhaltigkeitsverständnis: Der HLEG-Bericht priorisiert ökologische Themen der Nachhaltigkeit und hier vor allem den Klimawandel. Dieser ist eine ganz zentrale, aber bei weitem nicht die einzige Herausforderung. Insbesondere geht es darum, auch gesellschaftlich-soziale Aspekte der Nachhaltigkeit in den Blick zu nehmen. 
  2. Einbindung von Nachhaltigkeitsexpertise: Die Empfehlungen der HLEG wurden weitgehend ohne Beteiligung von Expertinnen und Experten aus dem Nachhaltigkeitsbereich entwickelt. Deshalb bleiben wichtige Aspekte unberücksichtigt. Von daher ist es wichtig, in weiterer Folge sowohl Fachleute aus den Bereichen Wissenschaft und Zivilgesellschaft einzubinden, als auch Vertreter und Vertreterinnen von Nachhaltigkeitsbanken oder auf Nachhaltigkeit spezialisierten Finanzdienstleistern.
  3. Angemessene Berücksichtigung der Perspektive der Asset Owner: Im Bericht finden institutionelle und private Investoren zwar Berücksichtigung, aber die Perspektive wichtiger Asset Owner, etwa Unternehmen in ihrer Rolle als Investoren, Stiftungen und kirchliche oder karitative Einrichtungen, bleibt unterbelichtet. Gerade hier ließen sich aber wertvolle Erfahrungen im Bereich nachhaltiger Geldanlagen sammeln.
  4. Risikoaufschlag für braune Investments: Entgegen der Empfehlung des Berichts, die Absenkung der Eigenkapitalanforderungen für „grüne“ Investments zu prüfen, sollten die Eigenkapitalanforderungen für „braune“ Investments angehoben werden.
  5. Aus- und Weiterbildung: Der Bericht der HLEG unterschätzt die Bedeutung von Aus- und Weiterbildung für einen nachhaltigen Finanzmarkt. Kompetenzentwicklung zu Sustainable Finance beginnt idealerweise bereits in Schule und Ausbildung und bedarf der fixen Verankerung in der Weiterbildung aller im Bereich der Finanzwirtschaft tätigen Personen.
  6. FinTech in die Debatte einbeziehen: Ansätze, die Potenziale von FinTech für eine nachhaltige Entwicklung nutzbar zu machen, fehlen im Abschlussbericht fast völlig. Gerade zum aktuellen Zeitpunkt wäre es aber wichtig, diesen in der Entstehung befindlichen Bereich im Sinne von Nachhaltigkeit zu gestalten. 

Nichtsdestotrotz liegt mit dem HLEG-Abschlussbericht der bislang umfassendste Plan zur nachhaltigen Ausgestaltung der Finanzwirtschaft vor und die Europäische Kommission sei aufgerufen, die Empfehlungen in entschiedener und umfassender Form umzusetzen und dabei auch die eingebrachten Anregungen und Diskussionspunkte zu berücksichtigen.  

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