Neue Publikation: Einführung in die Katholische Soziallehre

Vor Herausforderungen und in schwierigen Zeiten ist der Bedarf an Orientierung groß. An Erbauungs- und Ratgeberliteratur mangelt es nicht und die Anzahl der Neuerscheinungen zum Umgang mit Krisen aller Art ist beträchtlich. Vereinzelt wird dabei auch Altbewährtes wiederentdeckt. Der Theologe, Sozialwissenschaftler und Priester Markus Schlagnitweit – seines Zeichens ehemaliger Vorstandsvorsitzender von CRIC, nunmehr Direktor der Katholischen Sozialakademie Österreichs – hat nun eine Einführung in die Katholische Soziallehre verfasst.

Man möchte fragen: Wozu? Ist die Katholische Soziallehre (KSL) zum einen nicht längst ausreichend behandelt und zum anderen nicht zu Theorie beladen, um die dringend anzugehenden Zukunftsfragen unserer Welt adäquat beantworten zu können? Mitnichten, meint Schlagnitweit. Denn die über die letzten ca. 130 Jahre in der KSL entfalteten Prinzipien sind Antworten auf die Krisen der Moderne und können auch heute noch Orientierung im Umgang damit geben.

Das Buch beschreibt, was die KSL ist und welche Dokumente des kirchlichen Lehramts dazugezählt werden. Schlagnitweit, selbst ein versierter Weitwanderer und Alpinist, vergleicht die KSL mit einem Kompass und ihre vier Prinzipien – Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohl – mit den vier Himmelsrichtungen: Wer an ein Ziel gelangen möchte, sollte wissen, in welche Richtung loszumarschieren ist. Doch die KSL ist keine Roadmap, der sklavisch zu folgen schon der Probleme Lösung bedeutet: Wie ein Kompass entbindet auch die KSL den Einzelnen nicht davon, den jeweiligen Ausgangspunkt zu bestimmen, einen Weg festzulegen und über den Umgang mit Hindernissen nachzudenken. Wie ein Kompass kann die KSL wertvolle Orientierung geben, indem sie uns auch davor bewahrt, sich in die eine oder andere Richtung zu verrennen. Man könnte sagen: Wer den Kompass versteht, hat gute Chancen, nicht verloren zu gehen.

Indem Schlagnitweit die Entstehung der einzelnen Prinzipien (und Sub-Prinzipien wie die vorrangige Option für die Armen, Nachhaltigkeit und Dialog) anhand der Originaldokumente detailliert und verständlich nachvollziehbar macht, wird auch der zeitgeschichtliche Kontext ihrer Entstehung verständlich. Die Veranschaulichung der vier Prinzipien am Beispiel aktueller gesellschaftlicher Debatten trägt dazu bei zu erkennen, dass es nicht das eine und über alles andere erhabene Prinzip gibt, sondern die Lösung der gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit in einem behutsamen Austarieren der vier Prinzipien bestehen kann.

Das Buch verzichtet auf akademische Gesten und hat trotzdem wissenschaftlichen Tiefgang. Die praktische Relevanz hat Vorrang vor theoretischer Ereiferung. Freilich, ganz ohne theoretischen Diskurs kommt auch dieses Buch nicht aus – aber wie meint der Autor treffend: „Es gibt nichts Praktischeres als eine solide Theorie!“

 

Markus Schlagnitweit (2021): Einführung in die katholische Soziallehre. Kompass für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, Freiburg i. Br. (Herder Verlag), 169 Seiten.

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