Im Fokus: National Advisory Boards Impact Investing in Ghana, Sambia und Südafrika

Im Januar 2013 übernahm Großbritannien unter dem damaligen Premierminister David Cameron die Präsidentschaft der – damals noch – G8-Staaten. Die Förderung des Handels sowie der Kampf gegen Steuerflucht und für mehr Transparenz in der Weltwirtschaft waren die zentralen Anliegen dieser Präsidentschaft – Themen, die zunächst eher indirekt mit den drängenden Problemen unserer Zeit zu tun haben. Im Rahmen des G8 Social Impact Investment Forum im Juni desselben Jahres wurde jedoch auch der Grundstein für eine Social Impact Investment Taskforce gelegt. Im August 2015 entstand daraus die Global Steering Group (GSG) for Impact Investing, einer fortan in Großbritannien ansässigen Wohltätigkeitsorganisation unter der Leitung von Sir Ronald Cohen, einem Risikokapitalgeber und Philantrop.

Der Klimawandel, der Verlust an Biodiversität und soziale Ungleichheit in Verbindung mit Armut und Hunger sind globale Probleme, die unter anderem ein hohes Maß an Investitionen bedürfen, um gelöst zu werden. Eine Möglichkeit, hierzu einen Beitrag zu leisten, ist Impact Investing – Investieren mit Wirkung. Hier setzt die GSG an.

Der Ansatz der GSG basiert auf drei Säulen:

Erneuern (Innovate): Die Entwicklung innovativer Ideen, Ansätze und Produkte mit Wirkung und die Schaffung und Verbreitung von Wissen. GSG sieht sich als Vordenker für eine globale Wirkungsbewegung.

Agitieren (Agitate): Die Zusammenarbeit mit wichtigen Entscheidungsträgern, um ihnen das Prinzip des Impact Investing näherzubringen. GSG organisiert Veranstaltungen, Treffen und Bildungsmöglichkeiten und bringt die globale Impact-Community zusammen, um Wissen auszutauschen und für einen weltweiten Wandel hin zu Impact-Ökonomien zu werben.

Orchestrieren (Orchestrate): Entwicklung der Gemeinschaft nationaler Beratungsgremien, um Impact Investments weltweit zu erleichtern. Die NABs beeinflussen die Politik und bilden eine starke Wirkungsgemeinschaft, die lokale Bedürfnisse erfüllen kann.

Die National Advisory Boards

Der globale Einfluss dieser Organisation basiert auf einer wachsenden Gruppe nationaler (National Advisory Boards) und regionaler Beiräte (Regional Advisory Boards), die derzeit weltweit in 33 Ländern vertreten sind. Die Beiräte haben die Aufgabe, Experten aus den Bereichen Investitionen, öffentliche Hand sowie soziale und ökologische Innovation zusammenzubringen. Ihre Rolle besteht darin, die Entwicklung von Impact Investments in den Ländern, in denen sie tätig sind, zu fördern und zu erleichtern. Unter Impact Investing wird hier wirkungsorientiertes Investieren mit der gezielten Absicht verstanden, neben einer positiven Rendite messbare, positive Auswirkungen auf die Umwelt und/oder die Gesellschaft zu erzielen.

Zum großen Teil befinden sich die nationalen Beiräte in westlichen Industrienationen. Jedoch gewinnen sie auch auf dem afrikanischen Kontinent an Bedeutung. Afrika benötigt geschätzt zusätzlich insgesamt 500 Milliarden US-Dollar, um die UN-Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 zu erreichen. Impact Investing verspricht hierfür eine mögliche Lösung zu sein.

Laut Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen soll Impact Investment die öffentlichen Ausgaben der Staaten und die ausländischen Entwicklungshilfen durch die Einbeziehung von Kapital und Kompetenzen des privaten Sektors ergänzen. Damit soll die Anfälligkeit der afrikanischen Volkswirtschaften für externe Schocks verringert und eine marktbasierte Lösung zur Deckung sozioökonomischer Bedürfnisse bereitgestellt werden. Entwicklungshilfe und öffentliche Ausgaben sollen sich demnach besser auf die Befriedigung sozialer Bedürfnisse konzentrieren können, bei denen bisher keine tragfähige marktbasierte Lösung existiert. Nationale Beiräte der GSG auf dem Kontinent setzen sich bereits in Ghana, Sambia und Südafrika für eine bessere und breitere Anwendung von Impact Investments ein.

 

Das National Advisory Board in Ghana

Seit dem 18. Juni 2019 existiert das National Advisory Board for Impact Investing (NABII) in Ghana. Das Land wurde 2016 als Lower Middle Income Country aufgestuft und benötigt seitdem mehr alternative ausländische Investitionen, da im Zuge dessen weniger Entwicklungsgelder ins Land fließen. Daneben existieren diverse andere Faktoren, die Ghana für Impact Investing interessant machen.  Das Land verfügt über ein florierendes wirtschaftliches sowie ein stabiles politisches Umfeld. Zusätzlich wächst der Sektor sozial orientierter Unternehmer in den letzten Jahren stark an. Der Anteil von Frauen und jungen Menschen, die sich in diesem Bereich engagieren ist hoch. Nur 44 Prozent dieser Unternehmen haben bisher Zugang zu Formen von nicht rückzahlbarem Kapital (Zuschüsse, Spenden und Unterstützung von Familie und Freunden) und noch weniger verfügen über nennenswertes Eigenkapital (9 %) oder Darlehen (14 %). Die Gründe dafür sind vielfältig und auch in Bezug auf den Erfolg des Konzepts Impact Investing von Relevanz.

In Ghana haben es vor allem kleine, neu gegründete Unternehmen oft schwer an Gelder zu gelangen, da die durchschnittlichen Förderbeträge weit über dem von ihnen benötigten Wert liegen. Zudem haben viele junge UnternehmerInnen Angst, dass zu viel Kapital von außen einen negativen Effekt auf deren Kontrolle über ihr Unternehmen haben könnte. Viele haben ein mangelndes Bewusstsein über Chancen und Möglichkeiten und verfügen über eine geringe Bildung im Bereich Finanzen und Investitionen. Die starke Inflation des ghanaischen Cedi erschwert zusätzlich die Rückzahlung von Krediten, die meist in ausländischen „harten“ Währungen vergeben werden. Die Kapitalkosten in Ghana sind zudem hoch und erschweren den Zugang für kleine Unternehmen.

Dennoch ist Ghana nach Nigeria das zweiattraktivste Land für Impact Investoren in Westafrika. Das NABII hat vor, die Koordination zwischen den Akteuren zur Weiterentwicklung des Impact-Investing-Marktes zu erleichtern. Dazu sollen Veranstaltungen organisiert, Werkzeuge und Ressourcen für interessierte junge UnternehmerInnen bereitgestellt werden.

 

Das südliche Afrika

Im südlichen Afrika sind Sambia und Südafrika die Märkte mit den derzeit größten Chancen, was Impact-Investments angeht. Der größte Anteil der Investitionen mit einem Anteil von über 70 Prozent geht aufgrund der guten volkswirtschaftlichen Ausgangslage des Landes an Südafrika.

Dort wurde im Mai 2018 durch die GSG eine nationale Impact-Investment Task Force ins Leben gerufen, die führende Persönlichkeiten aus dem öffentlichen und privaten Sektor zusammenzubringen versucht, um sich für die Ausweitung von Impact Investing, die Schaffung eines klaren und dynamischen Verständnisses über das südafrikanische Ökosystem in diesem Bereich sowie der Hindernisse für die Entwicklung des Marktes für Impact Investing und der Möglichkeiten, diese zu beseitigen, einsetzen. Ein thematischer Schwerpunkt in Südafrika liegt darin, die in dem Land existierende große sozioökonomische Ungleichheit zurückzudrängen.

Das National Advisory Board in Sambia gibt es seit November 2018.  Das Ziel des dortigen Beirates ist es, Interessengruppen und Ressourcen zu mobilisieren, zu einer wirkungsorientierten Wirtschaft und zum Erreichen der UN-Nachhaltigkeitsziele beizutragen und die Reichweite sowie den Umfang des Impact Investing in Sambia zu vergrößern. Die Probleme, die in der sambischen Investmentlandschaft bestehen, sind denjenigen in Ghana ähnlich. Auch hier präferieren viele, vor allem ausländische Investoren vor allem große Unternehmen mit einem hohen Bedarf an Investitionen. Die vielen kleinen Unternehmen haben es häufig schwer an kleine Investitionsbeträge zu gelangen. Die häufig noch jungen Unternehmen verfügen zudem über wenig Erfahrungen im Bereich der Skalierung finanzieller und sozialer Erträge. Mangelhafte Transparenz zwischen Investoren und Unternehmen und ein unterentwickelter Markt sind neben Wechselkursvolatilität, schwachen Governance-Strukturen, Korruption und den makroökonomischen Aussichten zusätzlich ein Problem.

Trotz aller Schwierigkeiten liegt im Investieren mit Wirkung ein großes Potential für Afrika. Die NABs können einen Beitrag dazu leisten, dieses Potential zu entfalten! In Deutschland widmet sich insbesondere die Bundesinitiative Impact Investing diesem Thema, aber auch Organisationen wie CRIC oder das FNG.

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